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Verwaltungsvorschrift
Vorwort

"Es gibt nichts Ungerechteres als die gleiche Behandlung von Ungleichen"
                                               Paul F. Brandwein, amerikanischer Psychologe

Sehr geehrte Schulleiterinnen und Schulleiter,
sehr geehrte Lehrerinnen und Lehrer,

Kinder und Jugendliche individuell zu fördern gilt als Qualitätsmerkmal für guten Unterricht. Die Verwaltungsvorschrift vom August 2008 verpflichtet alle Schulen unseres Landes, Kindern und Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf und Behinderungen im Unterricht Angebote zu machen, die ihren individuellen Lernvoraussetzungen Rechnung tragen. Dazu ist es erforderlich, Kinder von Anfang an genau zu beobachten und regelmäßig Lernstandsdiagnosen durchzuführen. Im Austausch mit den Eltern und den Lehrkräften Ihrer Schule werden Fördermaßnahmen entwickelt. Zu Ihrer Unterstützung können Sie sich an Experten (1) aus dem Kreise der Fachberater, Kooperationslehrer, Beratungslehrer, Schulpsychologen oder Schulräte wenden. In besonderen Fällen können auch außerschulische Experten hinzugezogen werden. Auf der Grundlage der Lernstandsdiagnose stellt die Klassenkonferenz unter Vorsitz des Schulleiters den besonderen Förderbedarf fest und beschließt die entsprechenden Fördermaßnahmen und gegebenenfalls einen Nachteilsausgleich. Im Zusammenhang mit der neuen Verwaltungsvorschrift haben das Staatliche Schulamt viele Fragen erreicht:

Woran erkennt man den Förderbedarf? Müssen nun unzählige Diagnosetests durchgeführt oder gar jedes Kind dem Beratungslehrer oder dem Schulpsychologen vorgestellt werden? Müssen die Schulen noch mehr Arbeitsmaterial bereitstellen und ihr Methodenrepertoire vergrößern? Wie sollen diese Fördermaßnahmen aussehen? Gibt es zusätzliche Förderstunden? Wie können Nachteile ausgeglichen und dabei aber Ungerechtigkeit vermieden werden? …

Die Fachberater im Staatlichen Schulamt Nürtingen haben sich zusammen mit den Schulräten in einer Arbeitsgruppe über diese Fragen intensiv auseinandergesetzt, ausgetauscht und ihre Erfahrungen im Umgang mit der neuen Verwaltungsvorschrift zusammengetragen. So ist dieser kleine Leitfaden entstanden. Er will verstanden werden als Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit der Verwaltungsvorschrift "Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf und Behinderungen" in Ihrem Kollegium - allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die aufgeführten Kriterien, Vorgehensweisen und Materialien haben sich bisher bewährt. Es gibt sicherlich noch viele andere Ideen und Konzepte. Über Rückmeldungen und Anregungen durch Sie freuen wir uns sehr. Es ist uns ein Anliegen zum Abschluss darauf hinzuweisen, dass individuelle Förderung nicht als einseitiger Blick auf die Defizite verstanden wird. Individuelle Förderung heißt genauso, die Stärken der Kinder weiterzuentwickeln. Möge es uns gelingen, Kinder in ihrer Lernentwicklung wahrzunehmen, ihre Unterschiedlichkeit anzuerkennen und zu achten, sie zu ermutigen und angemessen zu unterstützen. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen gewinnbringenden Austausch in Ihrem Kollegium.

Für die Arbeitsgruppe
gez. Karin Bogen-Dittrich

(1) Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden nur die männliche Form verwendet. Selbstverständlich sind immer beide Geschlechter angesprochen.

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